Ein Zuhause für Bremens Popkultur

Ein Zuhause für Bremens Popkultur

Das POP Office Bremen ist eine zentrale Anlaufstelle für Musiker:innen und ein Herzstück der regionalen Popmusikförderung. Seit 2022 vernetzt, unterstützt und stärkt es die kreative Szene in Bremen und Bremerhaven. Im Interview erzählen die Geschäftsführerinnen Tine Niggemann und Katrin Dietl, was hinter den Kulissen passiert, welche Herausforderungen bestehen – und warum das POP Office für Musikwirtschaft und Kultur wichtig ist.

10.03.2026

Tine Niggemann und Katrin Dietl, Geschäftsführung des POP Office Bremen im Gespräch mit „So lebt Bremen“.

Wie habt ihr euren Weg ins POP Office gefunden?

Tine Niggemann: Ich habe zuvor in Berlin beim Radio gearbeitet und mich immer für Musik interessiert. Durch die Pandemie bin ich nach Bremen gezogen und auf das POP Office gestoßen. Die Möglichkeit, Musiker:innen in der Region zu fördern, hat mich sofort angesprochen.

Katrin Dietl: Nach meinem Studium der Populären Musik und Medien sowie meiner Arbeit bei einem Independent-Label kam ich aus familiären Gründen nach Bremen. Während der Corona-Zeit sah ich eine Stellenausschreibung des POP Office, die zu meinem Werdegang passte.

Was macht das POP Office aus?

Dietl: Wir sind ein gemeinnütziger Förderverein für Bremen und Bremerhaven. Unser Ziel ist es, Musiker:innen und Akteur: in­nen der Popmusikwirtschaft ab 18 Jahren zu unterstützen, die ihre Karriere professionalisieren möchten. Wir arbeiten mit Fördergeldern der Wirtschaftsbehörde, der Initiative Musik und der Kulturbehörde. In der Klassik gibt es seit Langem etablierte Förderstrukturen, die Popularmusik wird erst seit wenigen Jahren stärker gefördert. Hier setzen wir an. Angesprochen sind nicht nur Musiker:innen, sondern auch Label-Gründer:innen und Solo-Selbstständige der Popmusikwirtschaft. Die Initiative Musik, unser Bundesförderer, unterstützt Künstler:innen mit überregionaler Strahlkraft. Das POP Office begleitet diejenigen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und professionelle Ambitionen haben – eine entscheidende Stufe davor.

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Tine Niggemann (links) und Katrin Dietl sind die Köpfe des POP Office Bremen.

Niggemann: Die Existenz des POP Office trägt wesentlich dazu bei, dass sich Acts in Bremen stärker mit der Stadt verbunden fühlen. Viele berichten, dass sie sich durch unsere Unterstützung ernst genommen und als Teil einer Gemeinschaft wahrnehmen. Das stärkt ihr Selbstverständnis als Bremer Künstler:innen – dieses Gefühl der Rückendeckung ist in einer unsicheren Branche wichtig.

Welche Projekte und Förderprogramme bietet ihr an?

Niggemann: Wir haben verschiedene Maßnahmen, zum Beispiel den LIVEfonds, bei dem Musiker:innen finanzielle Zuschüsse für Touren beantragen können, um Gagenlücken auszugleichen. Aktuell ist mit dem „Releasefond“ ein weiteres Projekt für Musiker:innen in Planung. Dabei handelt es sich um eine Unterstützung für die Veröffentlichung von Alben. Unser Beratungspool ermöglicht es Künstler:innen, gezielt Fachwissen zu erhalten – sei es zu Marketing, Vertriebsstrategien oder anderen Themen. Dazu kommen Netzwerk-Events wie unsere „POPup-MEETups“ oder Showcases in Kooperation mit der Breminale und regionalen Partner:innen. Ein großer Erfolg war im letzten Jahr das Programm „Playtime“, bei dem DJs Workshops und Club-Residencies erhielten. Mit Workshops und Netzwerkveranstaltungen schaffen wir eine Anlaufstelle, die Musiker:innen beim nachhaltigen Karriereaufbau unterstützt.

Dietl: Entscheidend ist, dass erkennbar ist: Künstler:innen wollen ihre Musik professionell weiterentwickeln. Wir arbeiten mit Expert:innen-Jurys, die über Fördermittel entscheiden, um Neutralität zu gewährleisten. Besonders bei Gigs oder Tourförderungen zeigt sich Professionalität durch Auftritte bei Festivals oder Branchen-Events. Unsere Maßnahmen sind sehr gefragt, was die hohe Zahl der Anträge zeigt.

Wie sieht euer Alltag im POP Office aus?

Niggemann: Unsere Arbeit besteht vor allem aus Verwaltungsaufgaben: Fördermittel verwalten, Anträge stellen, Kostenpläne ausarbeiten – jeder Fördergeber hat eigene Anforderungen. Hinzu kommen Informationsveranstaltungen, bei denen wir Programme vorstellen und Fragen beantworten, sowie politisches Engagement. Oft übersetzen wir bürokratische Regularien für unsere Zielgruppe, denn viele Musiker:innen wissen zunächst nicht, wie sie Förderung beantragen. Wir arbeiten eng mit der Szene, mit Veranstalter:innen, Clubs und Partnern wie dem Clubverstärker e. V. und dem Musikszene e. V. zusammen.

„Ein bundesweites Problem ist der Mangel an Proberäumen. In Bremen und Bremerhaven besteht hier ein großer Bedarf .“

Was sind die größten Herausforderungen?

Dietl: Ein bundesweites Problem ist der Mangel an Proberäumen. In Bremen und Bremerhaven besteht hier großer Bedarf. Auch Auftrittsmöglichkeiten müssen dringend gesichert werden.

Bühne im PopOffice

Mit Netzwerk-Events wie dem „POPup-MEETup" unterstützt das POP Office Bremen Musiker:innen und Akteur:innen der Popmusikwirtschaft auf dem Weg in die Professionalisierung.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft des POP Office?

Dietl: Wir möchten langfristig institutionalisiert werden, um Förderung verlässlicher zu gestalten und die Strukturen der Bremer Popmusik dauerhaft zu stärken. Zusätzlich setzen wir uns in Kooperation für mehr Wege in die Musikwirtschaft ein und wollen dabei helfen, Ausbildungswege und musikalische Jugendarbeit in Bremen zu stärken. Unser Ziel ist es, Bremen als kreativen Standort attraktiver zu machen – für Musiker:innen und die gesamte Kreativwirtschaft.

Das Interview führte Femke Liebich.